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- es gilt das gesprochene Wort -
Espelkamp. Essen und Trinken – zwei Grundbedürfnisse, die wir tagtäglich stillen, um Geist und Körper funktionsfähig zu halten!
Essen und Trinken ist aber auch die Kultur des Genießens!
Viele werden sich fragen, was diese Feststellungen mit dem europaweit führenden Hersteller von Unterhaltungsautomaten mit und ohne Gewinnmöglichkeit zu tun haben?
Die Antwort finden Sie in der heute Abend zu eröffnenden Ausstellung.
Unser familiengeführtes Unternehmen widmet sich seit rund zwei Jahrzehnten auch der Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Automaten und der Automatenwirtschaft. Inzwischen gehören wir mit unseren über 1.150 historischen Münzautomaten, welche sich im Besitz der Sammlung Gauselmann - dem Deutschen Automatenmuseum - befinden, zu den europaweit bedeutendsten Sammlungen dieser Art und müssen heute keinen internationalen Vergleich scheuen.
Vor rund 10 Jahren entschieden wir uns dann, die Automatengeschichte der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hier an unserem Unternehmensstandort in Espelkamp wurden Räume für ein kleines, aber äußerst interessantes Firmenmuseum geschaffen.
Das stetig wachsende Interesse an Führungen zeigt uns, dass wir mit dieser Entscheidung richtig lagen.
Aber auch die Tatsache, dass uns die große deutsche Tageszeitung „Die Welt“ in die Liste der 10 interessantesten Firmenmuseen Deutschlands aufgenommen hat, bestätigte uns in unserem Vorhaben.
Neben dieser Dauerpräsentation im heimischen Ostwestfalen sollten die Münzautomaten aber auch dort gezeigt werden, wo die Menschen es gewohnt sind, sich mit Kunst, Kultur und Geschichte zu beschäftigen. Kooperationen mit Museen, Kultureinrichtungen und anderen öffentlichen Institutionen wurden angestrebt und realisiert.
Thematische Sonderausstellungen wurden mit Erfolg konzipiert und inzwischen über 140 Mal erfolgreich umgesetzt. Bekannte Namen wie das Historische Museum der Pfalz in Speyer am Rhein, das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, das Heinz Nixdorf Museums Forum in Paderborn gehörten zu den Kooperationspartnern.
Unsere wohl bedeutendste Ausstellung führten wir 1988 im Deutschen Museum in München unter dem Motto „Wenn der Groschen fällt...“ durch, die über 10 Monate gezeigt wurde.
Mit rund 800.000 Besuchern war sie die erfolgreichste Sonderausstellung im Deutschen Museum.
Ein weiteres Highlight konnten wir im vergangenen Jahr präsentieren. In Zusammenarbeit mit dem Preussen-Museum in Minden stellten wir historische Musikautomaten unter dem Titel „Johann Strauß meets Elvis - Musikautomaten aus zwei Jahrhunderten“ vor. Auch diese Ausstellung war ein großer Erfolg, einige von Ihnen werden sie sicher besucht haben.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
mein Bruder Michael hat seinerzeit den Grundstein gelegt und heute steht diese einzigartige Sammlung kultur- und wirtschaftsgeschichtlicher Exponate, die hier in Espelkamp ihre Heimat hat, unter meinem besonderen Augenmerk!
Angesichts der Kreativität und des Erfindungsreichtums unserer Vorfahren können Sie sich denken, dass nicht nur Spiel und Spaß in automatisierter Form eine ungeahnte Faszination ausgeübt haben.
Im Gegenteil: Warum sollten Automaten nicht auch Dienstleistungen im weitesten Sinn erbringen können?
Angesichts der Fülle von Dienstleistungsautomaten in unserer heutigen Welt und angesichts der unauffälligen Selbstverständlichkeit, mit der wir sie tagtäglich nutzen, ist dies eine Frage, die schon seltsam anmutet. Nicht so vor rund 120 Jahren.
Das Industriezeitalter setzte auf Automation und diese eroberte immer weitere Lebensbereiche. Von der Waage bis hin zum Telefonapparat, vom Schuhputzautomaten eben hin bis zum Automaten, der Lebensmittel oder Getränke gegen Entgelt vorrätig hatte!
Und von diesen zum Teil wunderschön verzierten Urahnen der heutigen Automaten hat unsere Sammlung zahlreiche Raritäten aufzuweisen. Diese zeigen wir Ihnen ab heute erstmals in einer Sonderausstellung unter dem Titel „Wohl bekomm’s – Bediene Dich selbst!“
Unter dem Dach der Museumsinitiative OWL ist dieses Jahr zum Themenjahr „Mahlzeit! Kultur des Essens und Genießens“ erkoren worden. 40 Museen aus Ostwestfalen und Lippe widmen sich den kulturellen und kulturgeschichtlichen Aspekten des Themas Essen und Trinken oder der Ernährung und der Lebensmittelwirtschaft!
Da wollten und konnten wir als eines der beiden privaten Museen nicht abseits stehen. Außerdem hat es unseren Lokalpatriotismus herausgefordert!
OWL ist eben nicht nur Paderborn, Bielefeld und Gütersloh. OWL ist auch Minden-Lübbecke, auch wenn dies manchmal jenseits des Wiehengebirges leicht in Vergessenheit zu geraten scheint! Auch deshalb haben wir an dieser bundesweit einmaligen Aktion aktiv mitgearbeitet.
Ich bin mir sicher, dass Sie von dem Ergebnis überzeugt sein werden. Das Museumsteam um Monika Kokoska hat gute Arbeit geleistet. Eine kleine, aber feine Präsentation rund um den automatisierten Verkauf von Lebensmitteln wird die Besucher aus nah und fern erwarten. Damit alle unsere „stummen Verkäufer“ bewundern und bestaunen können, haben wir am 27. März 2004, einem Samstag, einen „Tag der offenen Tür“ eingeplant!
Gestatten Sie mir noch einen kurzen Ausblick auf das, was Sie in der Präsentation erwartet:
67 historische Automaten, die bereits Automaten- und Kultur-geschichte geschrieben haben, präsentiert das DAM in Espelkamp und lädt zu einer faszinierenden Zeitreise in die Automatenwelt von 1890 bis 1960 ein.
Im Rahmen der verschiedenen Vertriebssysteme von Produkten zum Ende des 19. Jahrhunderts gewannen münzbetriebene Warenautomaten in Deutschland eine außergewöhnliche Bedeutung. Sie wurden nicht nur zu einem neuen Absatzinstrument, sondern dienten auch zu werblichen Zwecken.
1888 begann es mit Schokolade und Süßwaren, die dem Käufer als Proben angeboten wurden und auf die gute Qualität aufmerksam machen sollten. Einige Jahre später waren den Einsatzmöglichkeiten der Warenselbstverkäufer dann kaum noch Grenzen gesetzt. Ob Schokolade, Kaugummi, Getränke oder Parfüm und Bücher – die modernen Automaten hielten Einzug in die meisten Bereiche des täglichen Lebens.
An die „gute alte Zeit“ erinnern die „stummen Verkäufer“, die in den Räumen des Museums entsprechend ihren Auf-stellorten und Konsumenten perfekt in Szene gesetzt sind.
Den Auftakt dieser Szenerie bildet ein Bahnhof. Diese Orte zählten wie auch öffentliche Plätze bereits um 1900 zu den bevorzugten Aufstellplätzen von Waren- und Dienst-leistungsautomaten und sicherten der Warenautomaten-industrie in den Anfangsjahren hohe Umsatzzahlen.
Einem „Schlaraffenland“ gleich führt die Ausstellung anschließend vom Bahnhof in die Schokoladen- und Automatenstraße. Mit dem „Merkur“ präsentiert das DAM das älteste Gerät und damit den wichtigsten Zeitzeugen seiner Sammlung. Forscht man nach den Ursprüngen der deutschen Automaten, stößt man unweigerlich auf diesen Schokoladenautomaten der Gebrüder Stollwerck aus Köln. Er ging 1888 in Produktion und bot überall süße Naschereien - anfänglich noch zur Probe, später zum Kauf – gemäß dem Motto „Bedienung nach Münzeinwurf“ - an.
Die Reise durch die Welt der „stummen Verkäufer“ wird in der Gastronomie fortgesetzt. Diese zählte zu den typischen Aufstellungsorten von Waren- und Unterhaltungs-automaten.
Höhe-punkt dieser sich neu entwickelnden Branche war 1900 die Einrichtung von Automatenrestaurants. Von nun an hieß es „Kein Trinkgeld, bediene dich selbst, zwanglos, rasch und gut!“
Doch der Blick in die Geschichte lehrt uns, wenn etwas neu und obendrein noch erfolgreich ist, ruft das unweigerlich Kritiker und moralische Instanzen auf den Plan, die sich gegen den Fortschritt wenden. Und so ist schon im Jahr 1888 in der Cur-Cöllnischen Zeitung zu lesen, was uns heute eher zum Schmunzeln bringt:
„Obrigkeit und Geistlichkeit wenden sich gegen das Aufstellen von Schokoladenautomaten, denn sie fördern die Naschsucht, stören die Sonntagsruhe und verführen zum Erwerb von Schokolade mit Falsifikaten“.
Aber auch im weiteren Verlauf seiner Geschichte hatte der Automat mit seiner Anerkennung zu kämpfen, zum Teil unter sehr widersprüchlichen Kennzeichen: eigentlich dafür gedacht, immer verfügbar zu sein, unterlag er z. B. bis 1934 den allgemeinen Ladenschlusszeiten!
Sie sind herzlich eingeladen, sich unter der sehr fachkundigen Führung von Frau Kokoska selbst ein Bild zu machen. Dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß! | |