 | „Dienstleistungs- oder Warenautomat? Da sind wir doch ins Überlegen gekommen, welchem Bereich wir unser neuestes Schätzchen zuordnen“, erklärt Monika Kokoska, Leiterin des Museums Gauselmann noch immer etwas ratlos.
Was war passiert? Beim Abbauen einer historischen Ausstellung erhielt das Museum Gauselmann ein überraschendes Präsent – einen neuen Automaten für die inzwischen über 800 Exponate zählende Sammlung. Bei der anschließenden Kategorisierung wurde eine neue Wortschöpfung kreiert: „...eine Art Notdurftautomat“, wie Monika Kokoska schmunzelnd berichtet. Denn dieser Automat mit dem markanten Schäferhundkopf dient als münzbetriebener Spender für kleine braune, biologisch abbaubare Tüten. Auch der dafür vorgesehene Inhalt ist biologisch abbaubar – nach einer gewissen Zeit. Vorher kennt man ihn als extrem lästige und geruchsstarke Tretmine, die sich als zäher Belag gerne unter den Schuh ahnungsloser Passanten schiebt. Und sich dann auch nur sehr schwer aus dem Profil kratzen lässt. Also um Hundekot. Da kommt so ein am Wegesrand stehender Automat, der nach Münzeinwurf Papiertüten für das sofortige Beseitigen bereithält, natürlich genau richtig.
Das Museum Gauselmann hält für den Interessierten viele außergewöhnliche und auch kuriose Automaten bereit. In der ständigen Ausstellung in der Espelkamper Gauselmann-Zentrale erwarten den Besucher auf 170 Quadratmetern Ausstellungsfläche fast 200 sorgfältig restaurierte Münzautomaten mit dem Flair vergangener Zeiten.
Beim Anblick von historischen Automaten, wie dem Schokoladenautomaten der Firma Stollwerk aus dem Jahre 1888, kann schon mal ein bisschen Nostalgie aufkommen – der stumme Verkäufer zählt zu den ältesten Kostbarkeiten der Sammlung. Eine Rarität ist auch die Decap-Roboter-Band, von der weltweit nur wenige Exemplare existieren. Die drei mannshohen Blech-Musiker werden durch den Einwurf einer Münze zum Leben erweckt - zwei spielen sogar live - und lassen so manches Liebhaberherz höher schlagen. Auch die anspruchsvolle Damenwelt der „goldenen 20er Jahre“ kam nicht zu kurz – ihr wurde ein Parfüm-Zerstäuber angeboten, der gegen einen Groschen erstklassige Düfte versprüht. Und der typische englischer Humor darf ebenfalls in der Sammlung des Museums Gauselmann nicht fehlen: ein Automaten, der bei Münzeinwurf dem neugierigen Betrachter einen Blick auf eine „nackte Kolonie“ verspricht. Dass es sich dabei um eine Ameisenkolonie handelt, bemerkt der so Gefoppte erst später.
Der Besucher gewinnt einen faszinierenden, dazu höchst unterhaltsamen Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Münzautomatenindustrie und damit auch in ein Stück Kulturgeschichte. Öffnungszeiten des Museums Gauselmann: Mo.–Do. 9-16 Uhr, Fr. 9-12 Uhr und nach Voranmeldung. Informationen sind telefonisch unter 05772/49-486 bei der Museumsleiterin Monika Kokoska zu erhalten. Unter der Internetadresse http://www.gauselmann.de lädt das größte Firmenmuseum im Kreis Minden-Lübbecke den Besucher schon mal vorab zu einer virtuellen Reise durch die spannende Welt der historischen Automaten ein. | |