 | Vier Stunden Arbeit haben sich gelohnt und auf dem Gesicht von Louis Mostmans zeichnet sich ein Lächeln ab. Zufrieden hört er ihr zu, seiner „Decap Roboter Band“. Vor 47 Jahren, 1957, baute er das legendäre Orchestrion, das seit vielen Jahren ein Höhepunkt in der Sammlung Gauselmann - Deutsches Automatenmuseum (DAM), Espelkamp, ist. Nicht nur sein Erbauer Louis Mostmans freut sich über das historische Exponat, sondern alle Besucher des Museums bleiben jedes Mal fasziniert vor der Band stehen und lauschen den Tönen des automatischen Trios.
Louis Mostmans baute 1957 die Roboter Band in der Firma Decap, die 1902 von den Gebrüdern Decap in Antwerpen gegründet wurde. Dieses fast zehn Quadratmeter große und über zwei Meter hohe mechanische Musikwerk besteht aus drei automatischen Musikern in der Gestalt von Robotern: einem Trommler, einem Saxophonisten und einem Akkordeonspieler. Während das Trio spielt und alle Spieler die Füße zur Musik im Takt bewegen, steht der Saxophonist auf und bläst zusätzlich in die Wangen.
„Das charakteristische Merkmal dieses Orchestrions ist die Zusammenfassung verschiedener Instrumente zu einem ‚mechanischen Orchester’. Den bedeutenden Beitrag dazu leisten speziell konstruierte Pfeifen, die den typischen Klang von einem Schlagzeug und einem Akkordeon imitieren“, erklärt Monika Kokoska, Leiterin des DAM. Dieser Orchestriontyp wird durch Lochmuster auf Streifen bzw. Bändern aus kräftigem Papier, die zu buchähnlichen Stapeln zusammengelegt sind, mit 92 Tonstufen gesteuert und von einem Elektromotor in Verbindung mit einer Druckluftpneumatik angetrieben. Die Großgeräte, die mit Maßen von bis zu sechs Metern Breite produziert wurden, waren als Tanzorgeln sehr beliebt. Vor allem wurden sie in größeren Cafes, Hotelhallen und Tanzlokalen eingesetzt.
„Die Idee, eine musizierende Roboterband zu bauen, kamen durch die aktuellen Ereignisse zur damaligen Zeit. Die Raumfahrt, das Weltall, die fortschreitende Mechanisierung und die Roboter begannen ihren Siegeszug. Sie faszinierten mich. Ich setzte meine Ideen um und baute die Roboterband für ein Tanzlokal“, erinnert sich der heute 79-jährige Belgier.
Zwölf dieser Meisterwerke hat Louis Mostmans damals produziert und weltweit wurden sie verkauft. Heute existieren nur noch fünf von ihnen, so Mostmans. Zwei Decap Roboter Bands stehen in der Schweiz, eine in Frankreich und eine erfreut die Menschen sogar in Australien – und eine einzige ist noch in Deutschland, in der Sammlung Gauselmann - Deutsches Automatenmuseum. „Sie ist schon etwas sehr Spezielles, die Roboter Band“, schwärmt der Orgelbauer. „Oft fragt man sich, ob sie noch steht, ob sie funktioniert und ob sich noch Menschen an ihren Melodien erfreuen und sie fasziniert“, erzählt der 79-Jährige, während er zusammen mit seinem Sohn Roger die einzelnen Notenblätter kontrolliert und wo nötig ausbessert.
Mit ein wenig Leim und Leder, einigen neuen Kartonsegmenten hat Louis Mostmans gemeinsam mit seinem Sohn an der „Decap Roboter Band“ im DAM einen kleinen General-Check gemacht und die altersbedingten „Kinderkrankheiten“ des Orchestrions beseitigt. „Nun ist sie wieder top,“ stellt der 49-jährige Roger Mostmans stolz fest, nachdem er das Trio gestimmt hat und die drei Musiker wieder aufspielen.
Seitdem Louis Ehefrau Martha Decap das Unternehmen 1974 übernahm, führt ihr Sohn Roger nun die Tradition der Gebrüder Decap weiter und stellt zusammen mit seinem Vater noch etwa zwei bis drei Großinstrumente her. „Es ist schön, dass wir mit unseren Musikautomaten die Menschen auch heute noch in den Bann ziehen können“, so Louis Mostmans.
In der Unternehmenszentrale der Espelkamper Gauselmann Gruppe ist die „Decap Roboter Band“ eines von vielen Highlights der regelmäßig wechselnden Ausstellungen. Die Sammlung Gauselmann – Deutsches Automatenmuseum zählt mit über ca. 1.150 Automaten zu den größten Sammlungen deutscher und internationaler historischer Münzautomaten. Die historischen Exponate sind wichtige Zeitzeugen und Botschafter der gesamten deutschen Automatenwirtschaft und belegen den ungeahnten Erfindungsreichtum vergangener Tage. Den wissen die Gäste des Museums immer zu schätzen, denn der Wusch jeder Besuchergruppe lautet: „Kann das mechanische Trio nicht einmal für uns spielen?“
Weitere Informationen zum DAM sind auch im Internet unter www.deutsches-automatenmuseum.de abrufbar.

Monika Kokoska, Leiterin des DAM, freute sich, dass Louis Mostmans und sein Sohn Roger dafür sorgen, dass das mechanische Trio wieder den richtigen Ton angibt.
Dieses Foto steht im Bildarchiv unter dem Stichwort "Decap Roboter Band" zum Downlaod bereit.
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